Lehrbuch der Weltsprache Volapük

 

Titel
Vorwort
Abschnitt I
Abschnitt II
Abschnitt III
Abschnitt IV
Abschnitt V
Abschnitt VI
Abschnitt VII
Abschnitt VIII
Abschnitt IX
Abschnitt X
Abschnitt XI
Abschnitt XII
Abschnitt XIII
Abschnitt XIV
Abschnitt XV
Abschnitt XVI
Abschnitt XVII
Abschnitt XVIII
Abschnitt XIX
Abschnitt XX
Abschnitt XXI
Abschnitt XXII
Abschnitt XXIII
Abschnitt XXIV
Abschnitt XXV
Schlußwort

 

Lüükots pro pübot vüresodik

  Lised gramatik
  Lised vödik
  Penet
  Fomäts votik

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XXIV.
Die Nachsilben „ab“, „ag“, „er“, „ov“, „öf“ und „ug“.
Die Vorsilbe „lai“ – Die Satzbildung.

Die Nachsilben ab, ag, er, ov, öf und ug dienen meist zur Eigenschafts-Definition des Stammwortes ; sie erscheinen deshalb zumeist als abik, agik usw. Substantivisch bzw. geistig substantivisch treten sie dagegen allein (ohne ik) auf.
Die Nachsilbe ab gibt die Notwendigkeit, die Verursachung oder das Würdigsein (einer Tätigkeit, Handlung) wieder. Entsprechende deutsche Endsilben sind „-sam“, „-lich“, „-wert“, „-würdig“ usw. Kredab = Glaubwürdigkeit, kredabik = glaubwürdig, kred = Glauben – deimab = Verwerflichkeit, deimabik = verwerflich, deim = Verwerfung, Verstoßung.
Die Nachsilbe ag gibt die deutsche Nachsilbe „-reich“ (blumenreich), oder substantivisch die Nachsilben „-reichtum“ wieder. Man gebraucht jedoch diese Silbe meist nur für sichtbare und hörbare Begriffe (die Begriffe „liebreich“, „freudenreich“ usw. sind durch entsprechende Bildungen wiederzugeben) ; stonagik = steinig, steinreich, stonik = steinern, ston = Stein – klifagik = felsenreich, felsig, klifik = felsicht, aus Felsen, klif = der Fels – vatagik = wasserreich, vatik = wasser-, vat = das Wasser.
Die Nachsilbe er gibt adjektivisch die deutschen Begriffe „-haltig“, „-enthaltend“ wieder. Sie wird ebenfalls substantivisch gebraucht ; spiter = Spirituosität, spit = Spiritus – lalkoholerik = alkoholhaltig, lalkoholik = alkoholisch, lalkohol = Alkohol – sulfinerik = schwefelhaltig, sulfinik = schwefelicht, sulfin = Schwefel.
Die Nachsilbe ov gibt den Möglichkeitsbegriff wieder entsprechend den deutschen Formen „-möglich“, „-bar“ ; dilov = Teilbarkeit, dilovik = teilbar, dil = Teil – breikov = Brechbarkeit, breikovik = brechbar, breik = Bruch, Brechen (tätig), brek = Bruch, Brechen (ohne Tat) – gleipov = Greifbarkeit, gleipovik = greifbar, gleip = der Griff, das Geifen, Anfassen.
Die Nachsilbe öf bezeichnet in allgemeiner Weise Eigenschafts-Ableitungen vom Stammgebriff. Sie dient also dazu, das ding- oder wesenhafte Substantiv zunächst zu einer geistigen, abstrakten Form zu erweitern, und demzufolge die adjektivischen Begriffe von der ding- oder wesenhaften Form zu distanzieren ; flenöfik = freundlich, flenöf = Freundlichkeit, flen = der Freund, flenik = freundschaftlich – ladöf = Herzlichkeit, ladöfik = herzlich, lad = das Herz – spogöfik = schwammig, spog = der (Bade-)Schwamm – rätöf = Rätselhaftigkeit, rätöfik = rätselhaft, rät = das Rätsel.
Die Nachsilbe ug bezeichnet die Angemessenheit, Schicklichkeit oder das Ergebnis einer dauernden Beschäftigung im geistigen Sinne. Die Silbe kann ebenfalls substantivisch und (mit ik) adjektivisch angewandt werden ; plakug = Erfahrenheit, plakugik = erfahren, erfahrungsreich, plak = die Erfahrung, plakik = erfahrungsgemäß – reidug = Belesenheit, reidugik = belesen, reid = das Lesen – klotug = Kleidsamkeit, klotugik = kleidsam, klot = Kleidungsstück.
Die Vorsilbe lai bezeichnet das Fortdauern einer Tätigkeit, im Deutschen durch die Silben „fort-“ oder „weiter-“ wiedergegeben ; laipenön = weiterschreiben, penön = schreiben – laivobön = weiterarbeiten, vobön = arbeiten – laidul = Fortdauer, das Fortdauern, laidulön = fortdauern, dul = die Dauer.

gib = Blutegel – din = Ding, Sache – glan = Drüse – pisäl = Erbse – flam = Flamme – nev = Nerv – filät = Netz – lof = Offert, Anerbieten – magif = Pracht – xam = Prüfung – sav = Rettung – fät = Schicksal, Geschick – svan = Schwan – sval = Schwalbe – flan = die Seite – sadin = die Seide – sov = die Saat, Säen – pur = das Schießpulver – puin = Puder, Pulver – pöm = das Pumpen – pömöm = die Pumpe – grüd = Gries – grud = Kranich – gren = Getreide – min = Mineral – zib = Speise, Gericht – cob = Scherz, Spaß – plaf = die Scheu – mün = Erz – beat = Seligkeit – sköm = Schaum, Abschaum – sim = der Saum – mum = Mumie – slaf = Sklaverei, Knechtschaft – zöt = Schein, Bescheinigung – pif = das (Knochen) Mark – monit = Ritt, Reiten – spad = der Raum – smok = Rauch – vag = die Leere, Leersein – klin = Reinigkeit, Reinheit – fop = Torheit, Narrheit.

Übung 31.

Ven smugans ägoloms neito love mied läna miedapoldans äbejütoms omis ; cif smuganas pädeidom, votikans valik (smuganas) äfugoms ini gurs miedabelema (belem = Gebirge). – Pö nun gudik at mülan yunik äbunom sui tab. – Fluküpatep äravon bledemi (bledem = Laub) bimas. – Koegabuons at pämekons in Korsikeän. – Reid mödik dü soar odämükon logis. – Lül binon neitaböd. – Cil äfalon ini fiv. – No olabol benoseki nen zil. – Sval äfliton äl sil. – Nek kanon komipön ta fät. – Etuvoy mumi in stonasark seatöli.

Die Satzbildung.

Obwohl der Aufbau des Volapük eine beliebige Satzbildung gestattet, ist es notwendig, eine bestimmte Wortstellung (Syntax) zu haben. Einheitlichkeit und Neutralität der Weltsprache verlangen dies. Wir haben zunächst einfache Satzgebilde, z. B. „Adyö !“ = lebewohl ! adieu ! (Ausrufesatz). „Gololsöd !“ = gehet ! (Befehlssatz), welche keiner weiteren Auslegung bedürfen. Die nächst höhere Satzform wird durch das Subjekt mit dem Prädikat gebildet. Das Subjekt (im Nominativ) wird vorangestellt ; cil golon = das Kind geht. Das Objekt folgt dem Prädikat ; man logom cili = der Mann (Subjekt) lobt (Prädikat) das Kind (Objekt). Solche Sätze können wieder erweitert werden, indem das Objekt zweimal erscheint (Dativobjekt und Akkusativobjekt). „Fat givom cile podi.“ = Der Vater (Subjekt) gibt (Prädikat) dem Kinde (Dativobjekt) den Apfel (Akkusativobjekt). In diesem Satze haben wir die Haupt-Satzteile in der normalen Reihenfolge. Solche Sätze können durch Beifügungen erweitert werden ; z. B. : „Fat gudik givom cile okik podis lul.“ = Der gute Vater gibt seinem Kinde fünf Äpfel. In diesem Satze finden wir drei Beifügungen, das adjektivische „gudik“, das Fürwort „okik“ und das Zahlwort „lul“. Auch Substantive im 2. und 3. Falle, Substantive mit Präpositionen, und Verben (in Mittelwort-Form) erscheinen als Beifügungen ; z. B. : „Böd pedeidöl äseaton fo yan gada.“ = Der getöte Vogel lag vor der Türe des Gartens. Hier haben wir das Mittelwort „pedeidöl“ als Beifügung. In den Worten „fo yan“ (vor der Tür) zeigt sich eine andere Gruppe des Satzbildes, die gramm. Umstandform. Diese Form ist in dem letzten Satze durch ein Substantiv nebst Präposition wiedergegeben, sie kann jedoch auch adverbiel stehen, z. B. : „Fat gudik ogivom odelo cile okik podis lul.“ In diesem (bereits zerlegten) Satze sehen wir, wie auch die adverbiale Form (odelo) das Prädikat (ogivom) bestimmt. – Auch in Fragesätzen wird das Substantiv vorangestellt (wie im Französischen) ; „Mot slipof-li ?“ = Schläft die Mutter ? – Es gibt natürlich auch Sätze, welche bisweilen ihrem Sinne nach eine Verschiebung der Wortgruppen verlangen ; z. B. : „Adelo kanob givön moni.“ Dieser Satzform wohnt ein ganz anderer Sinn inne als dem Regelsatze : „Kanob givön adelo moni.“